„Nicht jedes Kind kann mitmachen – Programm“

Gelsenkirchen. Toll. Ein Bürgerhaushalt ohne Budget. Ein Mitmachprogramm für Kinder, aber nicht für Arme. Wo will diese Gesellschaft einmal landen?

Heute wird im Bildungausschuss die Veränderung des Programms „Jedem Kind ein Instrument“ mitgeteilt. In der Vorlage 14-20/1206 heißt es: “

– ohne Arme!
„Etwa 25% der Kinder im Instrumentalunterricht sind aus sozialen Gründen auch im 3. und 4. Schuljahr von den Entgelten befreit. Dafür werden vom Land ca. 40.000 Euro jährlich in Gelsenkirchen aufgewendet. Diese Zuwendung entfällt und/oder müßte kompensiert werden.“
Man geht bei dem neuen Programm davon aus, dass die Kinder nach dem zweiten Jahr in einer Musikschule weitermachen. Ein drittes und viertes Jahr, wird es in Zukunft nicht mehr geben.
Heißt das: Wirkliche Bildung nur für Reiche? Für Arme reicht, wenn sie es versucht haben? Sieht so aus! Schönen Dank für die Ungleichbehandlung. Aber dafür dürfen wegen der Gleichbehandlung demnächst Lehrerinnen mit Kopftuch in die Schulen. Wer klagt vor dem Bundesverfassungsgericht wegen der Ungleichbehandlung der Armen? Niemand? Ach so, weil die Armut auch nicht amtlich festgehalten wird. Kein Armutsbericht für Gelsenkirchen. Weil es dann keiner merkt, dass die Menschen wegen ihrer nicht verschuldeten Arbeitslosigkeit weiter und weiter absteigen. Was niemand zur Kenntnis nimmt, ist auch nicht in der Welt?!Zum Beweis, dass es noch Städte gibt, die die Hoffnung nicht verloren haben, und sich trauen einen Armutsbericht zu schreiben. Hier zum aktuellen Armutsbericht von Ingolstadt. Aus dem erfahren wir: Oftmals liegt die Armut aber laut Stadtverwaltung nicht am zu niedrigen Lohn, sondern am zu geringen Arbeitsumfang.Da kann ich nur sagen: Die Geringverdiener sind im ersten und zweiten Jahr von Jekits noch schlechter dran. Die bekommen noch nicht einmal die Befreiung für diese beiden Jahre. Leistung muss sich ja schließlich auszahlen. Das ist die halbe Wahrheit der Erkenntnis Nietzsches (in: Werke III, S. 392): „Böse Menschen haben keine Lieder.“ Die andere Hälfte dieser Wahrheit ist: Die Armen (und die Russen) haben Wodka und singen dann. So gehts natürlich auch. Die Politik kapituliert: „Allerdings schlägt die Verwaltung eine Beteiligung ausschließlich mit den Schwerpunkten Singen und Tanzen vor.“
Nachtrag: Die Kapitulation der Politik in Gelsenkirchen sieht so aus, dass die Verwaltung ein Musizieren ohne Instrumente empfiehlt; also nur Tanzen und Singen. Im Rahmen eines Programms, das für Chancengleichheit beim Instrumenteneinsatz wirbt, ist das mehr als ein Armutszeugnis. Es ist ein anachronistischer Schachzug, so auf die Krise der Politik der Chancengleichheit zu reagieren. Da geht nur noch Veitstanzen – bis der Schaum vor den Mund kommt; frei nach der Anregung von Sozialpfr. Heisig zu einer Springprozession.
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