Sexarbeit: Zwischen Menschenhandel, prekärer Arbeit und kommunaler Verdrängung

indoors – ein von der EU finanziertes Projekt

Gelsenkirchen will zusammen mit der Stadt Herten einen Sperrbezirk und Verrichtungsboxen. Bisher haperte es auch an der Kommunikation mit den betroffenen Sexarbeiterinnen.

Zur Lage habe ich ein paar grundsätzliche Fragestellungen offen gelegt:

Soziale Arbeit

„Es kommt auch darauf an, in welcher Szenerie man arbeitet. Wenn man zum Beispiel mit Opfern von Menschenhandel arbeitet, hat die Soziale Arbeit einen anderen Fokus, als wenn es, wie bei uns, darum geht, erst mal wieder einen Kontakt zwischen den beiden Welten herzustellen. “ Quelle

Kommunikationsprobleme lösen –  WAZ im Gespräch: Wir bleiben hier!

Es braucht professionelle Ansprechpartner. Keinen Gärtner – keinen Engel.

„Die Evaluation des Projekts „JuMP In, Junge Migrantinnen in Prostitution integrieren — Abbau interkultureller Unterschiede und Verbesserung sprachlicher Kommunikation” widmete sich dem Einsatz von muttersprachlichen Honorarkräften, so genannten Sprach- und Kulturmittlerinnen, in der Aufsuchenden Arbeit mit migrantischen Sexarbeiterinnen.“ Quelle

Anhörung im Bundesministerium

Am 12.06.2014 fand im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine Anhörung zum Thema “Regulierung der Prostitution” statt. Dem bufaS wurde neben vielen anderen Akteuren ein Fragebogen zur Beantwortung zugeschickt. Ebenso wurde er als sachverständiger Zusammenschluss eingeladen, an dem Gespräch teilzunehmen.

bufas (Bundesverband der Beratungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter)

NRW

„Trotz problematischer Entwicklungen lehnen wir ein Zurück in die rechtliche
Grauzone der Sittenwidrigkeit entschieden ab. Wir stellen uns gegen alle Bestrebungen und Reformen, die SexarbeiterInnen kriminalisieren und diskriminieren.“ „Dass ein Mehr an staatlicher Repression nicht
zu einem Verschwinden der Prostitution führt, sondern nur die Lage der SexarbeiterInnen verschlechtert, hat das Beispiel Dortmund gezeigt. Die Ausweitung des Sperrbezirks auf die gesamte Stadt ist nicht nur gerichtlich für unzulässig erklärt worden. Sie hat die Frauen in die Illegalität, die mit einer erhöhten Gefährdung der Prostituierten einhergeht, bzw. in die Wohnungsprostitution und in umliegende Städte gedrängt. Niedrigschwellige Beratungs- und Hilfsangebote können sie dort nur noch schwer erreichen. Anstelle einer Ausweitung des Sperrbezirks auf das gesamte Stadtgebiet müssen kommunale Lösungen gefunden werden, die nicht nur auf die Durchsetzung ordnungsrechtlicher Maßnahmen zielen, …“

Sexarbeits-Kongress in Berlin
OFFENE FACHTAGUNG
„Sexarbeit in Zeiten der Bewegung“ vom 24. bis 26. September 2014. Der Sexarbeits-Kongress soll eine rationale Basis bieten, um beim öffentlichen und politischen Diskurs in die Tiefe gehen zu können. Es geht um konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Konzepte für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Quelle
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Ein Gedanke zu “Sexarbeit: Zwischen Menschenhandel, prekärer Arbeit und kommunaler Verdrängung

  1. Das Hauptproblem das ich sehe in der ganzen Debatte ist, dass ein wichtiger Aspekt zu wenig berücksichtigt wird, der aber genau in diesen Kontext gehört. Die allerwenigsten Frauen arbeiten in der Prostitution/Sexarbeit weil das ihr Traumberuf ist und genau das was sie sich immer vorgestellt haben. Ökonomische Zwänge (entweder die existenzielle Armut der Frauen und zunehmend auch Männer aus Osteuropa, oder aber Armut per Gesetz Hartz IV) führen die allermeisten Frauen in diese Tätigkeit. Von vielen der deutschen Frauen in der Tätigkeit (die nur rund 10% überhaupt ausmachen) hört man immer wieder, dass Hartz IV eben verständlicherweise nicht zum Leben reicht, oder man durch die Aufnahme der Tätigkeit den schrecklichen täglichen Schikanen durch das Jobcenter entfliehen möchte. Die immer wieder vorgebrachte Argumentation “Jeder Beruf im Kapitalismus ist scheisse, im Kapitalismus wird eben alles zur Ware” ist nicht geeignet progressiv gegen die Agenda 2010 vorzugehen. es handelt sich eher um eine neoliberale Argumentation, die die Existenz von Prostitution rechtfertigt und den Kampf gegen die Hartz-Gesetze aufgibt. Statt Forderungen nach einem Anspruch auf Sozialleistungen für Osteuropäer_innen (Stichwort Leistungsausschluss, gerade beim EuGH anhängig zur Entscheidung, da wahrscheinlich europarechtswidrig) oder nach Abschaffung der Sanktionen und einer existenzsicherenden Grundsicherung oder einem BGE tritt die Forderung auf das Recht sich zu prostitutieren. Wohin das letztendlich führt zeigt beispielsweise der Gesetzentwurf von Dona Carmen. Die vermeintlich “Prostituiertenorganisation” kritisiert nämlich das BSG-Urteil, nach dem Jobcenter nicht in die Prostitution vermitteln dürfen (Argumentation: Ist gegen die Menschenwürde) Wer sich dieser neoliberalen Bewegung anschließt darf sich nicht wundern, wenn Prostitution/”Sexarbeit” am Ende nicht nur ein anerkannter “Beruf wie jeder andere” ist, sondern Menschen nicht nur als Wahlmöglichkeit offen steht, sondern durch Sanktionen erzwungen werden kann. Dessen müssen sich alle bewusst sein. In UK sind bereits Berufe in der Sexindustrie (im Sicherheitsdienst, an der Theke, usw.) sanktionsbewährt. Hier wird nach und nach eine Grenze nach der anderen aufgeweicht. Als Anti-Hartz-IV-Aktivistin wird mir da Angst und Bange. (Und bei all dem haben wir noch nicht davon gesprochen inwieweit erfahrene Gewalt als Auslöser für den Einstieg verantwortlich ist, Studien sind hier eindeutig, wird aber von den so genannten Interessenvertretungen nicht thematisiert)

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