Diskussionsbeitrag zum Kunden als Wutbürger

Abschlussbericht 2011

Jobcenter. Mal wieder hat ein Fall in einem Jobcenter für Aufregung gesorgt. Der Deutsche Beamtenbund warnt jedoch vor einem „Hochsicherheitstrakt Jobcenter“.

Ein Experte mahnt zur Differenzierung: „Gewalt und Aggressivität nehmen zu – das liegt oft aber an beiden Seiten“, sagt Matthias Neu, der an der Hochschule Darmstadt über das Thema Gewaltprävention forscht.

Die andere Seite wird im Jobcenter nicht gesehen. Solange die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragungen abba nicht ausgewertet und in die Praxis umgesetzt werden, wird der Bürger als Kunde der Schuldige bleiben. Die Studie „Empirische Untersuchung zur Aggressivität und Gewalt in der Kundenbeziehung“ von Matthias Neu, Kundenkonfliktmonitor von 2012, sei dazu an dieser Stelle zur Umsetzung empfohlen.

„Kundenbeziehungen werden zunehmend als positive Erlebnisse genutzt.“ vs. Workplace Violence (interne Gewaltausübung von Mitarbeitern gegen Mitarbeiter u.a.), so lautet ein Beispiel aus dem Workshop 7 der abba-Fachtagung: Können Mitarbeiter zu Tätern werden? – Von der Belastung zur Gewalt und Dramatisierung.

Es ließe sich Einiges tun. Wenn die Jobcenter mit der Dramatisierung des „normalen“ Kundenverhaltens aufhörten und anfingen den Dreck vor der eigenen Haustür zu beseitigen. Das wäre ein Anfang.

Und dann wäre es hilfreich miteinander zu reden, und nicht wie derwesten.de die Diskussion einfach zu verweigern; um letztlich die Pönalisierung im Dunkel der Nicht-Öffentlichkeit zu steigern. Zumindest ist rechtspsychologisch kaum zu bestreiten, dass sich auf diese Art und Weise mit der dramatisierten Pönalisierung des Kunden eine hohe Zahl unverhältnismäßiger Sanktionen in der uninformierten Öffentlichkeit einfach rechtfertigen lässt. Ob dies jedoch gesellschaftlich wünschenswert ist, darf im Zuge der schlechten Erfahrungen mit den kämpferischen Kampagnen gegen Erwerbslose seit Clement/Westerwelle getrost verneint werden. Also hilft nur miteinander ins Gespräch kommen. Und natürlich müssen die Bedrohungen der Existenzbedingungen durch ungerechtfertigte Sanktionen unbedingt beseitigt werden.

 

 

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