Da war noch was: Die Ausbildungsplatzabgabe

Fast hätte ich es übersehen, bei dem ganzen Tumult um den Zoff Heinberg/Welge. Manfred Leichtweis hatte nicht nur mehr Umschulungsmöglichkeiten, sondern auch mehr Ausbildungsstellen gefordert. Diese könnten seiner Ansicht nach durch eine (2004 leider gescheiterte) Ausbildungsplatzabgabe erreicht werden. Auf Seiten der Geschäftsführer der BA und Jobcenter IAG gab es dazu eine erkennbar leichte Kopfbewegung – nach vorn?

Tatsächlich hat die Handwerkskammer im Zuge der damaligen Diskussion zusammen mit Minister W.C. auf Freiwilligkeit gesetzt. Das Lehrstellenportal gibt es heute noch für die Handwerkskammer Münster. Bei meinem Test funktionierte es nicht. Immerhin ist die HWK Münster dem Lehrstellen-Radar 2.0 angeschlossen.

Realismus hatte Hr. Heinberg bei den Arbeitslosenzahlen angemeldet. Man solle von den knapp 20 % Bruttoarbeitslosigkeit ausgehen. Richtig.

Bei den Ausbildungsplätzen ist das ähnlich. Auch hier verbergen sich eine große Zahl von Jugendlichen in berufsvorbereitenden Maßnahmen, die früher nicht als Ausbildungssuchende mitgezählt wurden. So kam die BA im Jahr 2006 nur auf knapp 50.000 Ausbildungssuchende. Der DGB ging von insgesamt 150.000 aus, da 100.000 in der Statistik versteckt sind: „Der DGB argumentiert damit, dass sich angeblich 100.000 Jugendliche in so genannten Warteschleifen befänden, die in Wirklichkeit noch eine Lehrstelle suchten.“ BA, 2006

Aktuelle Zahlen des DGB-Ausbildungsreports 2013 sind weitaus erschreckender: „Während auf der einen Seite von Betrieben in verschiedenen Branchen das Beklagen eines Fachkräftemangels immer lauter wird, sind allein im Jahr 2012 mehr als 260.000 Jugendliche in Maßnahmen im Übergangsbereich von Schule und Ausbildung gelandet. Rund 273.000 bei der Bundesagentur für Arbeit registrierte AusbildungsbewerberInnen haben keinen Ausbildungsplatz bekommen“. DGB 09/2013

Darüber, und wohl auch über die Gelsenkirchener Zahlen, wollte am 20.03.2014 im Gemeinsamen Ausschuss aber außer Hr. Leichtweis niemand sprechen. Im Hintergrund dröhnt es: Individuelles Versagen – so wie bei den fehlenden Eignungen zur Umschulung, die Hr. Tywister als ursächlich angesprochen hatte. Das geht immer! Da holt sich der Manager immer ein Ja von den Zuhörern. Die Medien haben es oft und lang genug kolportiert. Das sitzt sofort!

Der DGB kritisiert diese einseitige Haltung, die nicht auf die Qualität auf der anderen Seite schaut. – Wie gesagt: Es machte den Anschein, als hätten sich die meisten nur eingefunden, weil sie geladen waren. Da geht man halt hin! Gab auch was zu trinken!

Weiterführende Links:

Maßnahmenkatalog 2014 – Ein Leitfaden für Lehrer u.a. Berater zum Übergang in den Beruf 2014 (zus. mit Glad + Bot) –  Zur pdf-Datei: Link zum Download im Logo
Gelsenkirchen: Hilfen des Jobcenter IAG
Ausbildungshilfe des IAG

Jugendberufshilfe für junge Menschen bis 27 Jahre im Evangelischen Industrie- und Sozialpfarramt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s