„Infantilisierung der Arbeitsmarktpolitik“ – Was ist das denn?

Entgegen dem Trend – mehr Ein-Euro-Jobs und länger: 1 Jahr, statt 6 Monate – möchte Hamburgs Senator die Ein-Euro-Jobs abschaffen. In diesem Zusammenhang spricht er von „Infantilisierung der Arbeitsmarktpolitik“. Quelle

Dabei benutzt er das Wort „Unsinn“. Um von unsinniger Arbeit sprechen zu können, muss man erst einmal das System der Arbeitsgelegenheiten verstanden haben. Möglicherweise ist dieses System, der Heranführung an den Arbeitsmarkt unsinnig; und nicht die Jobs – oder beides. Jedenfalls geht es Scheele offenbar um eine freiere Anwendung der Zusätzlichkeit der Arbeit, da er in der offenen Jugendarbeit spart, was zuletzt Proteste auslöste, da die Situation auf Bauspielplätzen und in Jugendtreffs mittlerweile die kleineren Träger in die Insolvenz zu schicken droht, so die Tariferhöhungen nicht ausgeglichen werden können.

Unsinnig im Zusammenhang mit Job, dürfte jedoch der Ausschluss des Mindestlohns für junge Menschen bis 21 oder 25 Jahren sein. Dieses Instrument fördert nun nicht gerade das Hereinholen von jungen Menschen in den Arbeitsmarkt. Dem Vernehmen nach, gestern im Petitionsausschuss, hat das BMAS erkannt, dass zu viele Menschen im Übergang von Schule in den Beruf „verloren“ gehen. Ein Ausschluss vom Mindestlohn dürfte entsprechend kontraproduktiv sein. Diamentral entgegengesetzte Wirkungen sind zu erwarten. Quelle

Peter Hartz sammelt die Jugendlichen in Europa ein, die die Systemanwender von Hartz IV aus der Bahn werfen.

Da dürfte es auch keine gute Nachricht sein, wenn Peter Hartz die Jugendlichen europaweit dann wieder einsammeln will. Quelle

Da das Ganze über ein Franchise System laufen soll, steht das Geld verdienen mit der Not anderer offenbar im Vordergrund. Wenn die Macher dem Kind den Namen Social gegeben haben, ist das sicher so viel wert wie die gute Milch in der Milchschnitte. Da Bund, Länder und Kommunen immer weniger Geld in die Gegenfinanzierung von ESF-Maßnahmen stecken können, dürfte diese private Initative eine Möglichkeit sein, das nicht verausgabte Geld, dass sonst nach Brüssel zurückgeschickt wird, in Projekte zu binden. Eigentlich kein schlechter Gedanke. Liest man im Konzept, findet sich dieser Satz: „Das Besondere daran ist, dass darin die übertragbaren Erfahrungen aus der deutschen Arbeitsmarktreform berücksichtigt wurden.“ Darf man das nun als infantil bezeichnen, weil sich hier zeigt, dass man den Teufel mit dem Belzebub austreiben will; oder besser gesagt, weil niemand etwas gelernt zu haben scheint.

Weit gefehlt: Peter Hartz so heißt es am Ende, empfiehlt für nähere Informationen sein neues Buch. Das ist nicht infantil, sondern echt abgezockt.

PS: Facebook sitzt beim Preisausschreiben zur Projektteilnahme mit im Boot.

Anhang:

Merkel EU-Jugendgipfel und DGB: „Dem vorgeschlagenen EU-Jugendprogramm fehlen sowohl die inhaltliche Ausgestaltung als auch eine entsprechende Finanzierung.“

Siehe dazu auch die Vorstellungen eines privaten Investitionsplans des Europäischen Gewerkschaftsbundes: „. Recht unkonkret heißt es dort: „Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen jährlich zwei Prozent des EU-Bruttoinlandsproduktes zusätzlich die öffentlichen und privaten Investitionen fördern.“

Über mögliche Ausnahmen vom Mindestlohn – speziell der Jugendlichen – siehe Prof. Sell, der das europäische Rechtsverbot (hier: neues DGB-Gutachten), dass offenbar europaweit nicht eingehalten wird, zumindest in Deutschland diskutiert haben möchte. Für Azubis klar, aber für ganz normale Arbeitnehmer??

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