NRW-Job-Initiative: Erste Erfahrung aus Gelsenkirchen

Die neue NRW-Job-Initiative, bei der auch das Jobcenter Gelsenkirchen mitmacht, zeigt bereits Wirkung. – Abschreckende Wirkung.

Deutlich übermotiviert zeigt sich so manch „Vermittler“ im Haus der Ahstr. in Gelsenkirchen, der einer gerade arbeitslos gewordenen Frau, die frisch aus der Umschulung kommt, bereits im ersten Gespräch „Druck zu machen“ prophezeit.

Die in Gelsenkirchen unter Leitung von Hr. Kempowski tätige Abteilung des Jobcenter IAG soll gut vermittelbare Arbeitslose „betreuen“. Die Betreuung kann natürlich auch missverstanden werden, wenn gleich zu Beginn der Beziehung mit Druck und Kontrolle nur eins gesät wird, nämlich Misstrauen.

Ob sich das Jobcenter in der Job-Initiative NRW durchweg qualifizierter Mitarbeiter, sog. Fallmanager, Case-Manager oder Coaches bedient, darf bei derart an den Tag gelegten Verhaltens bezweifelt werden.

Eins ist sicher. Druck führt in diesem Fall zu Gegendruck und zu einem Kampf mit dem „Vermittler“, der alles kontrollieren will. Eine derartige Entmündigung des Klienten schafft jedenfalls nicht das Vertrauen, das als Basis jedes Coachingprozess vonnöten ist, um in eine erfolgreiche Vermittlung zu münden.

Jobinitiative NRW
Jobinitiative IAG im Bild

Die WAZ berichtet mit Datum vom 27.02.2013 das Programm, nunmehr „Job-Offensive“ genannt, würde erst ab 01.03.2013 beginnen. In der Praxis hat es die Arbeit längst aufgenommen. Über die Qualifikation der 19 Neuen beim IAG wird nichts ausgesagt. Damit dürfte ihre Qualifizierung nicht erwähnenswert sein. Der Träger A4e hat seine Coaches von der Straße geholt und in Schnellkursen fit for the Job gemacht. Mit den bekannten verheerenden Wirkungen eines überhipten Aktionismus. Ohne Qualitiätsangaben der Mitarbeiter der Job-Offensive darf hier Ähnliches vermutet werden. Mit der Folge, dass am Ende nur der Druck bleibt, den diese ausüben. Ob sich damit ein Job finden lässt?

Zum Betreuungsbegriff siehe auch S. 5 des Arbeitsmarktprogramms des IAG

Berlin. Zur Modellphase 2011 bis 2013 in Berlin mit einem Budget von 46 Millionen Euro und 350 neuen Arbeitsvermittlern – nur für Berlin. In dem Artikel wird deutlich, dass Arbeitgeber viele offene Stellen dem Arbeitsamt nicht melden. Warum das so ist? Die Arbeitgeber haben Erfahrungen mit dem Arbeitsamt gemacht. Nun kommt das Amt gleich mit zum Arbeitgeber. Der wird sich „freuen“, wenn ihm seine alte Aversion geblieben ist. Nach einem BAG-Urteil von 2007 haben die Arbeitgeber jedoch die Pflicht offene Stelle der BA zu melden: Dass „ein Arbeitgeber, der es versäume, offene Stellen der Bundesagentur für Arbeit zu melden, den Anschein erhebe, nicht nur an der Beschäftigung schwerbehinderter Arbeitnehmer desinteressiert zu sein, sondern auch möglichen Vermittlungsvorschlägen seitens der Bundesagentur für Arbeit und entsprechenden Bewerbungen schwerbehinderter Arbeitnehmer aus dem Wege gehen zu wollen. Durch die Nichteinschaltung der Agentur für Arbeit schaffe der Arbeitgeber ein schwerwiegendes Indiz für eine Diskriminierung und trage daher die Beweislast, dass die Nichteinstellung nicht durch die Behinderung bedingt sei.“ – Urteils des Bundesarbeitsgerichts (AZ.: 9 AZR 807/05). In dem zugrundeliegenden Fall, so Henn, hatte es ein Arbeitgeber versäumt, freie Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit zu melden, obwohl Arbeitgeber hierzu nach § 81 SGB IX. verpflichtet seien.

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